16-BIT. 100 % HERZ // KICKSTART 3.1 // WORKBENCH LOADED
Der Amiga ist nicht tot — er war nur kurz pausiert. Seit 2017 erscheinen regelmäßig kommerzielle Neu-Entwicklungen für OCS/AGA-Amigas. Einige davon laufen auf einem Stock-A500. Hier sind die wichtigsten der letzten Jahre.
Der Wegbereiter. Keith Jones (Team17-Veteran) baut einen Horizontal-Shmup der aussieht wie aus 1991. A500 OCS, 512 KB. Läuft auch auf Originaler Hardware. Heute noch erhältlich.
Format: ADF/Disk · reimaginedgames.com
Pixel-Perfekt Retro-Twinstick-Shooter mit Koop-Mode. Erschien auf Amiga, PC, Switch. Auf Amiga AGA-exklusiv (A1200+), aber butter-smooth. Von Pixwerk & 11bit Studios.
Format: AGA, HD · tower57.com
Richard Löwenstein's dritter Reshoot-Shmup. Hochglanz-AGA-Produktion mit parallax Backgrounds, multiple Waffensysteme. Pflicht für A1200-Besitzer.
Format: AGA · reshoot.de
Twin-Stick-Shooter mit Roguelite-Elementen. Pro Run veränderte Dungeons, Räume, Items. Beeindruckend dicht auf OCS, auch A500-kompatibel.
Format: OCS/AGA · itch.io
Final-Fight-inspirierter Beat-'em-up in einer U-Bahn-Welt. 2-Spieler-Koop, parallax Hintergründe, grossartige Sprite-Animationen. Von Pixelglass.
Format: AGA · A1200/CD32
Space-Strategie mit Ressourcen-Management. Strategie auf dem Amiga ist rar, Alarcity füllt die Lücke clever.
RPG-Reihe von Alpha-One — Dungeon-Crawler im Ultima-Stil. Ambitioniert, aktiv entwickelt.
Hack-'n'-Slash-Klassiker neu aufgelegt mit HD-Grafik für Apollo V4 / RTG-Screens. Fast Port.
Niedliches Plattformer-Abenteuer, Cartoon-Style, OCS-lauffähig. Indie-Produktion.
Retro-Arcade-Remake der 80er-Klassiker River Raid / 1942. Scrollender Vertikal-Shooter mit Bomben-Mechanik.
Arcade-Klassiker auf dem Amiga endlich vernünftig portiert. Rolan-Stil Hackslash.
Von Time Warp Productions: Giana Sisters Special Edition mit überarbeitetem Level-Design und AGA-Grafik.
Kurios: Bowling-Simulation für Amiga. Perfekt als Flohmarkt-Begleitung.
Die Entwickler stecken Monate bis Jahre in diese Projekte. Ein Inviyya oder Tower 57 ist handwerklich auf AAA-1991-Niveau. Für ~15-30 € unterstützt man die Szene und bekommt eigens gepresste Disketten, bedruckte Verpackung, Artbook. Das ist keine Abandonware — das ist Neue Kunst für den Amiga.
Chris Hülsbeck, Jesper Kyd, Tim Follin — sie alle haben ihre Amiga-Soundtracks in ProTracker komponiert. Das MOD-Format ist bis heute DAS Amiga-Musikformat. Hier der Einstieg in 15 Minuten.
Ein Tracker ist ein Musik-Editor, der Musik in vertikalen Pattern-Spalten notiert (statt in Noten-Tabulatur). Jede Spalte = ein Kanal. Der Paula-Chip im Amiga hat 4 Kanäle, also vier Spalten. Pro Zeile werden Noten, Samples und Effekte pro Kanal gesetzt — wie ein einfaches Tabellen-Dokument für Musik.
Das Ergebnis ist eine .mod-Datei mit allen Samples und Patterns in einer Datei.
50-200 KB üblich. Läuft auf jedem Amiga, und auf Windows/Linux/macOS per
OpenMPT.
Die Standard-Version der 90er. Läuft auf jedem Amiga ab 512 KB. Freeware heute. Download: aminet.net/mus/edit/ProTracker23d.lha
Weiterentwicklung von olivier "8bitbubsy" Sørensen. Bugfixes, aktive Updates bis heute. 16-bits.org/pt.php
Olivier Sørensens cycle-korrekte PC-Portierung. Sieht und fühlt sich exakt wie der Amiga-Original an. Perfekt für modernen Cross-Compose-Workflow. 16-bits.org/pt2-clone
Modernisierter Tracker, liest/schreibt MOD (+ XM, IT, S3M). Mehr Effekte, aber wenn du "echt Amiga" willst: lieber PT2 Clone. openmpt.org
Z X C V B = C-Dur, Q W E R T = C eine Oktave höher. Probier's — du hörst direkt den Sample in der Tonhöhe.F0x-Kommando verändern (F06 = Default, F03 = schnell).mysong.mod. Fertig.
Jede Zeile kann einen Effekt-Code haben. Format: Exx wo E = Effekt-Nummer,
xx = Parameter. Die meistgenutzten:
| 0xy | Arpeggio — schneller Akkord (z.B. 037 = Molldur) |
| 1xx | Portamento Up — Tonhöhe schiebt nach oben |
| 2xx | Portamento Down — Tonhöhe schiebt nach unten |
| 3xx | Tone Portamento — Gleiten zu einer bestimmten Note |
| 4xy | Vibrato — klassischer Wabbel-Effekt |
| Axx | Volume Slide — Lautstärke runter/rauf rampen |
| Cxx | Set Volume — feste Lautstärke (00-40) |
| Dxx | Pattern Break — springt zu nächstem Pattern |
| Fxx | Set Speed/Tempo — Geschwindigkeit einstellen |
WHDLoad löst das klassische Amiga-Problem: Wie bringe ich ein Diskettenspiel auf die Festplatte? Die Antwort: nicht mit einem Trick, sondern mit einem kompletten System. Hier wird erklärt wie es funktioniert und warum du es kennen musst.
Die meisten klassischen Amiga-Spiele wurden als Disketten-Games entwickelt —
sie starten eigene Bootblocks, patchen das OS, greifen direkt auf Hardware zu, und
erwarten ihre Disk in Laufwerk 0. Einfach aufs DH0: kopieren überschreibt
kritische Bits oder das Spiel findet seine Daten nicht.
Bert Jahns WHDLoad (seit 1996 aktiv entwickelt) löst das mit einer cleveren Architektur: Jedes Spiel bekommt einen Slave — ein kleines patches-Programm das dem Spiel vortäuscht, es läuft von Disk, während tatsächlich alles von Festplatte kommt.
Die Komponenten:
.ipf-Images.Install-WHDLoad ausführen. Installiert nach SYS:WHDLoad/.WHDLoad.key neben die ausführbare Datei.Assign WHDLoad: SYS:WHDLoad in User-Startup.Turrican2_v1.7.lha o. ä.Games:Turrican2/..slave-Datei erwartet sie) hineinkopieren. Meist in data/ oder direkt im Ordner.ReadDisk im richtigen Format benutzen.User-Startup prüfen.PRELOAD=0.Der Amiga war eine Shoot-'em-up-Plattform par excellence — Paula-Sound, 50 Hz Smooth Scrolling und massive Explosionen. Diese 15 gehören in jede Sammlung, sortiert nach Erscheinungsjahr.
Erstes Amiga-Shmup-Highlight, Scoopex-artige Feuerkraft, enorm schwer. Vorläufer von Battle Squadron.
David Jones' (später GTA-Erfinder) Debut. R-Type-Nachahmer mit Psygnosis-Ästhetik und Soundtrack von David Whittaker.
Nachfolger von Hybris, 2-Spieler-Koop, irre Scrolling-Speed, genialer Ron-Klaren-Soundtrack. Referenz für viele.
Bomb the Bass als Soundtrack. Shop-Upgrades, Insect-Inspiration, industrieller Look — Bitmap-Brothers-Stil at his best.
Silkworm-Nachfolger. Spieler 1 fliegt Helikopter, Spieler 2 fährt Jeep. 2-Spieler-Koop-Klassiker.
Ein Drachen-Shmup mit Fantasy-Setting. Parallax-Scrolling in OCS-Qualität die kaum zu schlagen ist.
Kultstatus. Du bist eine Biene. Chris-Huelsbeck-Soundtrack. Grafik von Frank Matzke. Level-Design wie aus einem Kunstwerk, kaum zu toppen. Überragend.
X-Out-Nachfolger, kompromissloser R-Type-Klon mit eigener Note. Hart, präzise, stilvoll.
Team17s AAA-Shmup — große Parallax-Hintergründe, riesige Endbosse, Multiline-Feuerkraft. Die Special Edition ist die spielbare Variante (die Original war gnadenlos schwer).
Sehr polierter Late-Era-Shmup mit mehreren Waffen und detaillierter Grafik. Unterrated.
Du bist eine Eule. Grafisch einer der schönsten Amiga-Shmups je — Tim Wright Soundtrack, Aquarell-artige Hintergründe.
Pure AGA-Vorführung: 256 Farben gleichzeitig, drei Ebenen Parallax, mehrere Waffensysteme. WW1-Flieger-Setting, einer der technisch beeindruckendsten A1200-Shmups.
DMA-Design-Geniestreich (Pre-GTA-Era). Kaufe Waffen, knack Safes, 2-Spieler-Koop. Zu einfach? Versuch's mal bis Ende.
Kein klassischer Shmup sondern Run-&-Gun, aber ballert so fleissig. Traumhafte Sprites, Cartoon-Optik, herausragend.
Homebrew aus 2017 — eine brandneue kommerzielle Amiga-Entwicklung. Sieht aus wie das beste 1991-Shmup das du nie gespielt hast. Beweist: der Amiga ist nicht tot.
Ein Spiel ist nur so gut wie der Stick. Für den Amiga gibt es legendäre Klassiker — Competition Pro, Zipstik, Speedking — und heute jede Menge Adapter, damit dein PlayStation-Controller oder USB-Stick an den 9-Pin-Port geht.
Der unumstrittene König. Mikroschalter statt Gummi-Membran, extrem präzise, Klick-Geräusch beim Drücken. Zwei Feuerknöpfe (einer Turbo). Heute noch neu erhältlich in der Retro-Edition von Spei-dog (Verpackung orange-schwarz).
Der kompakte Allrounder. Leichter und kleiner als Competition Pro, Mikroschalter-Feedback. Beliebt bei Reise-Amigianern. Original von Spectravideo, heute als Replica erhältlich.
Konix Speedking, auch Navigator genannt. Ergonomischer Handschmeichler, liegt wie eine Pistole in der Hand. Nicht für jeden, aber die die ihn lieben schwören drauf.
Der Economy-Stick. Gummi-Kontakte, oft mit Saugnapf fürs Festkleben am Tisch. Hält nicht ewig, aber damals in jedem Haushalt. Heute noch oft auf Flohmärkten.
Ergonomisch wie ein Videorekorder-Controller, zwei Feuerknöpfe oben, auto-fire. Gute Mittelklasse — nicht ganz die Präzision des Competition Pro, aber bezahlbar.
Grosse Basis, echter Arcade-Kugelknauf-Stick, Mikroschalter. Für Street-Fighter und Konsorten. Heute als iCode, Competition Pro Super 16 oder im Selbstbau via Sanwa/Seimitsu-Komponenten erhältlich.
CD32-Pads haben sieben Tasten (6 + Play/Pause) und laufen am normalen 9-Pin-Port. Viele späte Amiga-Spiele (Super Skidmarks, Ultimate Body Blows) unterstützen die Extra-Buttons. SEGA-Mega-Drive-3-Button-Pads gehen auch — Amiga sieht die nur als 1-Button-Sticks.
USB-Interface für 9-Pin-Joysticks. Stecke deinen Competition Pro an den PC und spiele WinUAE ohne Input-Latenz. ~25 €.
Andere Richtung: USB-Gamepad (Xbox, PS4/PS5, 8BitDo) an 9-Pin-Amiga-Port. Firmware maped die Controller-Buttons auf Up/Down/Left/Right + Fire. Auto-Fire konfigurierbar. ~30-45 €.
Mega-Drive-6-Button-Style, Funk-Übertragung. Plug-and-Play am Amiga mit entsprechendem 9-Pin-Receiver. Pure Nostalgie ohne Kabelsalat. ~50 €.
Open-Source-Bluetooth-Empfänger, zeigt sich dem Amiga als 9-Pin-Joystick, empfängt Wireless-Controller (PS4, Switch-Pro, Xbox). DIY via ESP32 oder fertig auf Ko-Fi/Tindie. ~30 € DIY.
Zur Referenz für Selbstbauer (Blick auf den Stecker):
Pin 1 = Up Pin 6 = Fire 1 Pin 2 = Down Pin 7 = +5 V (für Autofire/Maus) Pin 3 = Left Pin 8 = GND Pin 4 = Right Pin 9 = Fire 2 (manche Sticks) Pin 5 = Pot X / Fire 3
Kompatibel mit Commodore 64, Atari 2600/ST, MSX, Sega Master System (teilweise).
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| "Eine Sache. Den besten." | Competition Pro Retro (neu, ca. 30 €) |
| Moderner Controller, Kabel | USB-zu-9-Pin-Adapter + XInput-Pad |
| Wireless-Freak | 8BitDo M30 2.4G oder BlueRetro DIY |
| AGA-Games mit 6 Tasten | CD32-Gamepad oder modernes Pad mit 6-Tasten-Mapping |
| Shmups mit Autofire | Competition Pro 5000 (eingebauter Autofire) |