Die Amiga-Geschichte
Von einem Pokerspiel mit Atari in Kalifornien bis zum modernen Apollo-Standalone — der Weg des Amiga über 40 Jahre. Kein Linearer, aber ein faszinierender.
1982 — Die Anfänge
Jay Miner und Partner gründen Hi-Toro (später Amiga Corporation) in Santa Clara, Kalifornien. Das Ziel: die nächste Generation Grafik- und Sound-Hardware. Anfangs als Spielkonsole gedacht, dann Computer.
1984 — Commodore kauft
Amiga Corp. steht kurz vor der Pleite. Commodore kauft die Firma für 24 Mio USD — bekommt damit das fast fertige Custom-Chipset (Agnus, Denise, Paula). Atari (mit Shareholder Jack Tramiel) war der andere Interessent und verlor.
23. Juli 1985 — Amiga 1000 erscheint
Launch in New York, Andy Warhol und Debbie Harry auf der Bühne. Der A1000 hat 256 KB RAM, Kickstart 1.0 von Diskette (noch nicht im ROM!), und die damals beispiellosen 4.096 Farben. Preis: 1.295 USD. Zielgruppe: Kreative, Wissenschaftler — nicht Spieler.
1987 — A500 & A2000: Massenmarkt
Der A500 wird DER Heimcomputer Europas. Kickstart 1.2, 512 KB, für ~800 DM. Der A2000 kommt als Profi-Variante mit Erweiterungsslots. Spielehersteller entdecken die Plattform — 1987 startet die goldene Amiga-Ära.
1990 — A3000 & AmigaOS 2.0
Der A3000 mit 68030, Hi-Res-Interlace und Kickstart 2.0 (im ROM). Neue Workbench-Optik, endlich ein "erwachsenes" AmigaOS. Nur: der A3000 war zu teuer und verkaufte sich schlecht.
1992 — AGA-Chipset: A1200 & A4000
Das Advanced Graphics Architecture-Chipset kommt mit dem A1200 (Heimcomputer) und A4000 (Profi). 262.144 Farben gleichzeitig, HAM8, doppelte Bandbreite. AmigaOS 3.0. Aber: PC und SVGA ziehen bereits davon — der Abstand schrumpft.
29. April 1994 — Commodore-Pleite
Commodore International meldet Insolvenz an. Mismanagement, verpasste Chancen, keine Strategie gegen Windows 95. Die Amiga-Community ist geschockt. Was bleibt: Millionen Geräte im Umlauf, eine riesige Fan-Basis, und Jahre der Ungewissheit.
1995-1998 — Amiga-Wanderjahre
Escom kauft die Marke 1995. Produziert kurz den A1200 und A4000T. Geht 1996 ebenfalls pleite. Gateway kauft 1997, verkauft 1999 an Amiga Inc.. Kaum neue Geräte, viele Versprechen, wenig Substanz.
2001 — AmigaOS 4 entsteht
Hyperion Entertainment (Belgien) bekommt den Auftrag, AmigaOS auf PowerPC zu portieren. AmigaOS 4.0 erscheint 2004 — nur für sehr seltene PPC-Hardware (AmigaOne). Marktanteil: homophatisch. Aber: das Projekt lebt.
2004 — MorphOS & AROS
Parallel entstehen zwei alternative Amiga-OS: MorphOS (PowerPC, kommerziell) und AROS (Research OS, Open Source). Beide existieren bis heute — AROS läuft sogar als ROM-Ersatz in Emulatoren.
2010er — Retro-Welle beginnt
Die Retro-Szene explodiert. WHDLoad wird zum Standard. Emulatoren (WinUAE, FS-UAE) werden produktionsreif. Apollo-Accelerators bringen die ersten FPGA-Turbokarten, später die Vampire-Karten.
2018 — AmigaOS 3.1.4 von Hyperion
Hyperion überrascht: eine moderne AmigaOS 3.1.4-Version für Classic-Amigas (A500/A1200/A4000). Erstes neues OS seit 1993 für die originalen Geräte. Ab da rollt es weiter — 3.2 (2021), 3.2.2 (2024), 3.2.2.1 (2025).
2020 — PiStorm erscheint
Claude Schwarz stellt PiStorm vor — ein Raspberry Pi als Amiga-CPU-Emulator. Open Source, günstig, extrem schnell. Mit Emu68 (2022+) wird es zum neuen Referenz-Accelerator.
2023 — Apollo V4 Standalone
Apollo Accelerators bringt den V4+ Standalone — ein eigenständiges Amiga-System mit 68080-Core, SAGA-Chipset, HDMI, 1 GB RAM. Kein Amiga, aber ein voll kompatibles "Reborn-System".
Heute 2026 — Lebendiger als je zuvor
Die Amiga-Szene ist 2026 aktiver als in den letzten 20 Jahren zusammen: aktive Foren, neue Hardware (Vampire, PiStorm, Gotek), aktive Demo-Produktionen bei der Revision jedes Jahr, neue Spiele (Tower 57, Inviyya, Wings of Death-Ports), offenes OS (AROS, AmigaOS 3.2), aktive Entwickler-Community. Der Amiga lebt — weil seine Fans ihn nie losgelassen haben.