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ProTracker-Einstieg

Chris Hülsbeck, Jesper Kyd, Tim Follin — sie alle haben ihre Amiga-Soundtracks in ProTracker komponiert. Das MOD-Format ist bis heute DAS Amiga-Musikformat. Hier der Einstieg in 15 Minuten.

Was ist ein Tracker?

Ein Tracker ist ein Musik-Editor, der Musik in vertikalen Pattern-Spalten notiert (statt in Noten-Tabulatur). Jede Spalte = ein Kanal. Der Paula-Chip im Amiga hat 4 Kanäle, also vier Spalten. Pro Zeile werden Noten, Samples und Effekte pro Kanal gesetzt — wie ein einfaches Tabellen-Dokument für Musik.

Das Ergebnis ist eine .mod-Datei mit allen Samples und Patterns in einer Datei. 50-200 KB üblich. Läuft auf jedem Amiga, und auf Windows/Linux/macOS per OpenMPT.

Welche ProTracker-Variante?

ProTracker 2.3D (der Klassiker)

Die Standard-Version der 90er. Läuft auf jedem Amiga ab 512 KB. Freeware heute. Download: aminet.net/mus/edit/ProTracker23d.lha

ProTracker 2.3E / 2.3F (Community-Fork)

Weiterentwicklung von olivier "8bitbubsy" Sørensen. Bugfixes, aktive Updates bis heute. 16-bits.org/pt.php

ProTracker 2 Clone (PC/Mac)

Olivier Sørensens cycle-korrekte PC-Portierung. Sieht und fühlt sich exakt wie der Amiga-Original an. Perfekt für modernen Cross-Compose-Workflow. 16-bits.org/pt2-clone

OpenMPT (Windows)

Modernisierter Tracker, liest/schreibt MOD (+ XM, IT, S3M). Mehr Effekte, aber wenn du "echt Amiga" willst: lieber PT2 Clone. openmpt.org

Dein erster Track in 10 Schritten

  1. ProTracker starten. Oben siehst du 4 Spalten (die 4 Paula-Kanäle), unten die Funktions-Buttons.
  2. Sample laden. "DISK OP" (Disk Operations) → lade eine IFF-8SVX-Sample-Datei aus den mitgelieferten Samples. Oder nutze das Demo-MOD-Archiv von Aminet.
  3. Sample auswählen. Mit den Cursor-Tasten oder Maus in der Sample-Liste oben rechts.
  4. Eine Note spielen. Tasten wie auf einem Klavier: Z X C V B = C-Dur, Q W E R T = C eine Oktave höher. Probier's — du hörst direkt den Sample in der Tonhöhe.
  5. Notes im Pattern eingeben. Druecke SPACE um Editing-Mode zu aktivieren (rote LED). Jetzt schreibt jeder Tastendruck die Note in die aktuelle Zeile und rückt eine Zeile weiter.
  6. Navigieren. Pfeiltasten hoch/runter = Zeile wechseln. Links/Rechts = Spalte wechseln (anderer Kanal).
  7. Mehrere Pattern machen. F2, F3... wechselt zwischen Patterns. Jedes Pattern = 64 Zeilen.
  8. Song zusammenstellen. Unter "SONG" die Reihenfolge der Patterns festlegen: z. B. Pattern 1, 1, 2, 1, 3...
  9. Speed einstellen. Standardwert 6 bedeutet 6 Ticks pro Zeile (langsam). Mit F0x-Kommando verändern (F06 = Default, F03 = schnell).
  10. Speichern. "DISK OP" → "SAVE MODULE" → Dateiname mysong.mod. Fertig.

Die wichtigsten Effekte

Jede Zeile kann einen Effekt-Code haben. Format: Exx wo E = Effekt-Nummer, xx = Parameter. Die meistgenutzten:

0xyArpeggio — schneller Akkord (z.B. 037 = Molldur)
1xxPortamento Up — Tonhöhe schiebt nach oben
2xxPortamento Down — Tonhöhe schiebt nach unten
3xxTone Portamento — Gleiten zu einer bestimmten Note
4xyVibrato — klassischer Wabbel-Effekt
AxxVolume Slide — Lautstärke runter/rauf rampen
CxxSet Volume — feste Lautstärke (00-40)
DxxPattern Break — springt zu nächstem Pattern
FxxSet Speed/Tempo — Geschwindigkeit einstellen

Woher Samples?

  • The Mod Archive — größtes MOD-Archiv, viele Tracks mit samplebaren Samples
  • Aminet /mus/smpl — Amiga-Sample-Collection
  • Exotica — Tracker-Musik-Database mit Credits
  • Audacity (modern) — Eigene Samples aufnehmen, auf 8-Bit Mono 11025/22050 Hz downsamplen, als WAV exportieren, in PT importieren

Paula-Beschränkungen — Was du wissen solltest

  • Nur 4 Kanäle — komplexe Drums + Bass + 2 Melodien ist das Limit.
  • 8-Bit Samples, mono, max. 22 kHz — deshalb der typische "krispelige" Amiga-Sound.
  • Stereo-Trennung fix: Kanäle 1+4 = links, 2+3 = rechts (zumindest über Cinch).
  • Max. Sample-Größe in PT: 64 KB pro Sample (31 Samples pro MOD).

Zum Inspirieren — Tracker-Legenden

  • Chris Hülsbeck — Turrican, Apidya, Giana Sisters. Deutsche Legende.
  • Jesper Kyd — Hardwired, Global Trash, später Assassin's Creed / Hitman.
  • Tim Follin — Ghouls 'n' Ghosts, Solstice, LED Storm. Britisches Genie.
  • Moby (nicht der, der andere) — Sanity-Demos, Alcatraz-Soundtracks.
  • 4-Mat — Anarchy-Demos, bis heute aktiv. Ikonische Chip-Sounds.
💡 Profi-Tipp: Studiere die Pattern deiner Lieblings-MODs. In PT → Disk OpLoad Module → beliebiges .mod laden → jetzt siehst du wie die Profis komponiert haben. Apidya 2 oder Space Debris (Markus Kludzuweit, 1994) sind Pflichtstücke fürs Auseinandernehmen.

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